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Klimastadt Bremerhaven – Konzeptstudie ohne Konzept

Am Montag, den 18.01.2010 wurde die so genannte „Konzept-Studie“ für eine Klimastadt Bremerhaven einem geladenen Publikum vorgestellt. Das Konzept, mit dem die Stadt Bremerhaven einen möglichst weltweiten Imagegewinn erzielen will, stellt meines Erachtens keine Konzepte dar, sondern listet in erster Linie auf – und zwar über viele Seiten – welche Institutionen in Bremerhaven im Bereich „Klima“ aktiv sind, wie z.B. das Alfred-Wegener-Institut mit seinen weltweiten Aktivitäten. Unter anderem findet man auch eine Projektbeschreibung des Klimahauses (darunter eine Tiefgarage …).

In erster Linie bedient diese Studie das wirtschaftliche Klientel, und die waren auch alle am Montagabend in der Veranstaltung. Es wird aufgelistet, welche Fördergelder abzuschöpfen sind – jetzt oder zukünftig. Im Publikum überwiegend Politiker, Wirtschaftsvertreter und Förderer der A 22! Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bremerhaven, Ulf Eversberg, war der Einzige, der sich überhaupt kritisch an diesem Abend zu der Studie geäußert hat und es gab dafür Beifall von einer einzigen Zuhörerin: Einer Kollegin aus unserer Fraktion, ansonsten betretenes Schweigen und in der Nordsee-Zeitung natürlich kein Wort davon!

Wer, wie wir erlebt hat, wie die politisch Verantwortlichen z.B. im Umweltausschuss in Fragen Küstenschutz oder Probleme des Klimawandels in den letzten 2 Jahren agiert haben, mag nicht glauben, was in und mit der Studie propagiert wird. So hat es von unserer Antragstellung, den Deichhauptmann und Wissenschaftler Dr. Michael Schirmer als Referenten in eine öffentliche Ausschuss-Sitzung einzuladen um über das Thema Klimawandel und die Facts zum Küsten/Deichschutz zu referieren, bis überhaupt die Einladung ausgesprochen wurde ein Jahr gedauert. Die Veranstaltung wurde dann in den Nachmittag hinein verlegt und der Vortrag auf eine halbe Stunde begrenzt. Eine nachfolgende Diskussion wurde ausdrücklich untersagt!!! Die politischen Vertreterinnen und Vertreter von CDU und SPD fanden es dazu noch überaus amüsant, dass so gut wie gar kein Publikum auf den Rängen saß und waren sehr stolz darauf uns vorgeführt zu haben.

Zwei Beispiele aus den letzten Monaten in der Stadtverordnetenveranstaltung: Antrag von den GRÜNEN zur Stilllegung des Atomkraftwerkes Esenshamm abgelehnt! Weiterer Antrag: Autofreier Sonntag: abgelehnt!! So sieht das hier in Bremerhaven mit dem Klimaschutz aus. Und das sind nur einige Beispiele zum Thema. Von anderen Themen und Bereichen, wie z.B. dem völlig eingeschlafenen Agendaprozess in Bremerhaven, ganz zu schweigen. Auch im aktuellen Haushaltsplan der Stadt ist nicht ein müder Euro für dieses wunderbare Alibi-Projekt Klimastadt berücksichtigt.

Die IHK, die ja auch in der Konzeptstudie Erwähnung findet, wirbt im übrigen großflächig in der Friedrich-Ebert-Str. in Bremerhaven für den Bau der A 22, die auch von der Stadt Bremerhaven finanziell in den Planungen unterstützt wird. Unser Bau- und Umweltdezernent Volker Holm gehört, ebenso wie viele andere in der Stadt aus Politik und Wirtschaft, dem Förderverein “pro A 22″ an.

Es wundert uns nicht, aber es macht auch wirklich keinen Spaß!!

Anke Krein

Stadtverordnetenfraktion Bremerhaven
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

TantaLOX-Qualen

Aus der griechischen Sagenwelt: Als die Götter zu einem Gastmahl bei König Tantalos kamen, tötete er seinen jüngsten Sohn, und ließ ihn den Göttern als Mahl zurichten. Die Götter merkten aber den Betrug und ließen das Mahl unberührt. Heutige (Gemeinde)Väter würden so etwas ihren Bürgern nicht antun!??? Die Götter verstießen Tantalos in den Tartaros und peinigten ihn dort mit ewigen Qualen.

Homer schildert dies in der Odyssee wie folgt (8. Jahrhundert v. Chr.):

„Auch den Tantalos sah ich, mit schweren Qualen belastet.
Mitten im Teiche stand er, den Kinn von der Welle bespület,
Lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen.
Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen;
Schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße
Zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon.
Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige,
Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
Oder voll süßer Feigen und rötlichgesprenkelter Äpfel.
Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken,
Wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken.
(Aus der Odyssee (11. Gesang, 582–592), nach Johann Heinrich Voss; 1778 wurde Johann Heinrich Voss Rektor der Lateinschule in Otterndorf)

Unbekannter Schreiber aus Loxstedt (21. Jahrhundert n. Chr.):

Auch Loxstedt sah ich, mit schwerem Verkehr belastet.
Mitten in der A22-Schlinge lag es, rundum vom Lärme bespület,
Lechzte nach Autobahn, und konnte zum Fahren nicht kommen.
Denn jene Auffahrten, die bisher schnellen Zugang gewährten,
Stotel und Hohewurth,
Ließen die Planer verschwinden, und rings um Loxstedt
Zeigte sich nur das Betonband, Lärm, Staub und Abgase ausstoßend.
Blühende Gewerbegebiete sollten Loxstedt umkränzen.
Voll starker Unternehmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen,
deren hohe Erträge die Steuerkassen Loxstedts füllen würden.
Aber sobald die Vision der Küstenautobahn konkreter wurde,
hängten die Planer Gemeinde und Gewerbegebiete vom Zugang zur Autobahn ab.
(Aus der Gemeinde Loxstedt; nach dem Bau der A22)

Peter Schühle, Loxstedt

Hochnotpeinlich!

Für Niedersachsen sind vier Sattelschlepper als rollende Botschafter europaweit unterwegs. Sie fahren als Werbeträger für die Innovationskampagne durch Europa. “Mit seiner Lage im Herzen Europas, der hervorragenden Infrastruktur und hoher logistischer Kompetenz ist Niedersachsen einer der führenden Standorte, um den Material- und Warenfluss zu planen, zu steuern und effizient abzuwickeln”, unterstrich der Niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode beim Start der Kampagne am 5. Januar. Diese Kompetenz machten die vier Lkw nun sichtbar.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert die von Wirtschaftsminister Jörg Bode vorgestellte „Innovationskampagne“ scharf und bezeichnete die Aktion als „totalen Marketing-Flop“. „Was hat denn der Lkw-Verkehr mit Innovation zu tun? Die allermeisten Menschen in Niedersachsen wünschen sich nach den zahllosen schweren Unfällen, den Abgas- und Lärmbelastungen weniger Lkw auf den Straßen und die Landesregierung startet ausgerechnet mit Schwertransportern eine Imagekampagne“, kritisiert VCD-Landesvorsitzender Michael Frömming.

Der Schwerlastverkehr stünde für das Festhalten an falschen verkehrspolitischen Konzepten. „Moderne Logistik-Politik hieße, die Lkw-Maut deutlich zu erhöhen, auf das gesamte Fernstraßennetz auszuweiten sowie den Ausbau des umweltfreundlichen Schienennetzes voranzutreiben“, so Frömming. „All das findet in Niedersachsen leider nicht statt.“ Seit den vergangenen fünf Jahrzehnten habe das Land sogar rund 3.000 Kilometer Eisenbahn-Infrastruktur und zahllose Bahn-Anschlüsse zu Gewerbegebieten verloren, die heute für effiziente Gütertarnsporte erst einmal nicht zur Verfügung stehen. Neue Gewerbegebiete entstünden zudem auf der Grünen Wiese weitab bestehender Schienenanbindungen.

Gerade das Land Niedersachsen stehe mit seiner Verkehrspolitik auf der Innovationsbremse, so der VCD. Die neue Lkw-Kampagne seit nicht zeitgemäß, sondern schlichtweg „peinlich“ für das Bundesland Niedersachsen.

Hochnotpeinlich – meint auch

Susanne Grube, Westerstede

Elbquerung: Fehlgeleiteter Optimismus trübt Sicht auf Realität

Die geplante Elbquerung bei Drochtersen soll es nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager richten: Arbeitsplätze schaffen, Impulse für die norddeutsche Bauindustrie bewirken, den Hafen Brunsbüttel noch wettbewerbsfähiger machen und den Elbtunnel in Hamburg entlasten. Allerdings gäbe es noch Probleme bei der Finanzierung. Die Initiativen gegen die A 22 machen darauf aufmerksam, dass sich die Kosten gegenüber der ursprünglichen Schätzung bereits mehr als verdoppelt haben. Derzeit werden 907 Millionen Euro veranschlagt – ohne Refinanzierungskosten, die noch zusätzlich mehr als 50 Prozent der Baukosten ausmachen können. Damit lägen die Gesamtkosten für die neue Elbquerung schon bei 1,4 Milliarden Euro.

„Seit Jahren sucht man vergeblich nach Privatinvestoren für diesen Elbtunnel“, stellt Uwe Schmidt, Sprecher der Initiativen gegen die A 22, fest. Wegen des hohen Investitionsrisikos habe sich bisher kein Investor gefunden. Der Tunnel rechne sich mangels Bedarfs nicht. Schmidt weiter: „Wie soll für den Staat rentabel sein, was für private Betreiber nicht wirtschaftlich ist? Einmal mehr ist eine Verschwendung von Steuergeldern (und Mauteinnahmen) zu befürchten“. Die Aussicht, einen privaten Investor zu finden, sei offensichtlich dermaßen gering, dass sich die Bundesregierung nun nicht einmal mehr traut, eine qualifizierte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung in Auftrag zu geben. Eine Finanzierung durch den Bund wäre allerdings nur zu Lasten anderer Bedarfsplanprojekte möglich – andere Gemeinden oder Landkreise müssten folglich auf ihre Vorhaben verzichten.

Die Entlastungswirkung für den Elbtunnel in Hamburg wäre mit rund drei Prozent äußerst gering. Im Gegenteil entstünde durch den sechsspurigen Ausbau der A 1 eine Konkurrenzsituation, die eine feste Elbquerung westlich von Hamburg noch unrentabler mache. De Jager führt als Argument für die geplante Elbquerung auch eine Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung an. Diese Erwartung ist jedoch wissenschaftlich umstritten, denn häufig kommt es zu gegenteiligen Effekten wie Kaufkraftverlusten und Auftragseinbußen von Betrieben durch die näher gerückte Konkurrenz. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Autobahnbau und positiver regionalwirtschaftlicher Entwicklung ist jedenfalls nicht nachweisbar. Auch zu beiden Seiten des Wesertunnels sind die Gewerbegebiete leer geblieben. „Während der Bauphase mögen kurzfristig Arbeitsplätze entstehen. Bei einer europaweiten Ausschreibung stellt sich jedoch die Frage, ob hiesige Baufirmen überhaupt davon profitieren können“, warnt Schmidt. Sicher sei hingegen, dass durch eine feste Elbquerung nicht nur die 48 direkt bei der Elbfähre Glückstadt-Wischhafen Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Auch viele weitere Arbeitsplätze in Betrieben, die von Aufträgen durch den Elbfähren-Betrieb leben, wären gefährdet.

„Einen Baubeginn für 2011 anzuvisieren ist mehr als verwegen“, mokiert sich Schmidt. Nicht nur, weil bislang kein einziger Cent für den Bau in Aussicht stehe. Die Unterlagen für die Baugenehmigung strotzten nur so vor Mängeln. Da müsse noch einiges nachgebessert werden. „De Jagers Blick und der des Vorsitzenden des Förderkreises „Feste Unterelbequerung“ sind offensichtlich durch Zweckoptimismus stark getrübt“, so das Fazit von Schmidt.

Pressemitteilung des Koordinationskreises der Initiativen gegen die A 22 vom 06.01.2010

A 22 nützt Pendlern nicht

Nach Aussage des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion David McAllister begründet sich aus der Zunahme der Berufspendler im Landkreis Cuxhaven Handlungsbedarf unter anderem für eine A 22. McAllister übersieht dabei, dass dem Großteil der Pendler eine A 22 nicht dienen kann. Allein über 60 Prozent der Pendler aus dem Landkreis Cuxhaven haben ihre Arbeitsstätte im direkten Umfeld in Bremerhaven und Bremen. Ihnen kann eine A 22 nicht nützen. Auch anderen Pendlerbewegungen kann eine A 22 keine Vorteile bringen, weil die Pendlerströme nur in geringem Umfang dem Verlauf der geplanten A 22 folgen. „Eine Fahrtzeitverkürzung eines Pendlers aus Hemmoor nach Hamburg über die Autobahn um die Hälfte, wie von McAllister dargestellt, ist vollkommen abwegig, da sich die Wegstrecke mit einer A 22 nicht verringert“, stellt Uwe Schmidt, Sprecher der Initiativen gegen die A 22, fest.

Viel mehr würde den Pendlern der weitere Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs dienen. Durch den Bahnfahrplanwechsel im Dezember haben sich bereits Verbesserungen für Pendler im Elbe-Weser-Raum ergeben. Auch McAllister betonte in einer Pressemitteilung, dass der Landkreis Cuxhaven mit diesen Veränderungen noch besser an die Oberzentren Bremen und Hamburg sowie an die Landeshauptstadt Hannover angeschlossen werde. „Dieser Weg muss konsequent weiter verfolgt werden“, fordert Schmidt. „Das nützt dem Klima, der Natur, der Bevölkerung und nicht zuletzt den Pendlern, die entspannter bei der Arbeitstelle ankommen“, so Schmidt weiter.

In der Unterweserregion ist der Bestand an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in den Jahren 1998 bis 2007 um 2,1 % zurückgegangen. Der Landkreis Cuxhaven ist in hohem Maße vom demografischen Wandel betroffen und leidet zudem unter einer ausbildungsbedingten Abwanderung junger Erwachsener, was sich zukünftig eher noch verschärfen wird. „Der Landkreis täte gut daran, in die Ausbildung junger Menschen und in regionale Arbeitsplätze zu investieren statt in die Planung einer überflüssigen Autobahn, die den ländlichen Raum nur weiter schwächen würde“, ist sich Schmidt sicher. Durch eine neue Autobahn könnte dem Landkreis sogar das gleiche Schicksal drohen wie den Landstrichen entlang der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern, nämlich eine weitere Verstärkung des Bevölkerungsrückgangs. Den Zusammenhang zwischen Ausbau von Verkehrswegen und Entvölkerung von ländlichen Regionen hat auch das Wissenschaftszentrum Berlin nachgewiesen.

Pressemitteilung des Koordinationskreises der Initiativen gegen die A 22 vom 5. Januar 2010

Wachstumsentschleunigung

Heute hat das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ den Bundesrat passiert, obwohl bei der Debatte kaum ein Politiker – auch aus den Reihen der CDU/CSU – ein gutes Haar daran gelassen hat. Man „hofft“, dass es wirken möge. Manch ein CDU/FDP geführtes Land hat noch versucht, mit der Aussicht auf seine Zustimmung für das eigene Land etwas herauszuholen. Was für ein Geschacher um eine Luftblase, die ihren Namen nicht verdient.

Die Bürger und Unternehmen sollen sich nun auf Entlastungen in Höhe von 8,4 Milliarden Euro freuen können. Es sei dahin gestellt, ob die vermeintlichen Entlastungen unter dem Strich auch im Portmonee ankommen, denn irgend woher müssen die Milliarden ja schließlich kommen. Und woher, wenn nicht vom Steuerzahler? Die ersten Kommunen protestieren bereits.

Nach Expertenmeinung kann nur ein sehr geringer Bruchteil der im Gesetz beschlossenen Maßnahmenpakete Wachstum erzeugen oder gar beschleunigen. Wenn Wachstum aber langfristig stabil sein soll, muss es Zeit haben zum wachsen. Damit schnell entwickeltes Wachstum nicht wie eine Seifenblase zerplatzt, brauchen wir eigentlich ein Wachstumsentschleunigungsgesetz. Langsam und gesund wachsen, vielleicht zwischendurch auch mal stehen bleiben. Prüfen, ob das gut ist, was man hat, und ob es vielleicht sicherer ist, das Gute zu bewahren, anstatt es für die Utopie des schnellen, unendlichen Wachstums aufzugeben.

Denn das gibt es nicht, das unendliche Wachstum. Das heißt, es gibt es schon, aber es ist mindestens schädlich, wenn nicht tödlich. Es killt Finanzsysteme, Klima, Natur – unsere Lebensgrundlage. In natürlichen Systemen gibt es kein unendliches Wachstum. Das einzige, was sich unter natürlichen Bedingungen unendlich vermehrt, sind Krebszellen. Und die bringen in letzter Konsequenz den Tod.

Der Wachstumsglaube hat eine A 22 auf den Plan gebracht, die jeder Grundlage für eine Notwendigkeit entbehrt. Wie beim Wachstumsbeschleunigungsgesetz sind eigentlich alle skeptisch, treiben sie dennoch voran und reden sie schön. Lassen wir es nicht zu, dass die vage Aussicht auf eine unbegründete Hoffnung unsere Landschaft und Lebensgrundlage zerstört.

Susanne Grube
Westerstede

Aufholprogramm West darf nicht zur Entvölkerung des Nordens führen

Die Initiativen gegen die A 22 kritisieren die Interpretation der Aussagen des neuen Verkehrsministers Dr. Peter Ramsauer durch hiesige Politiker. Sie warnen vor falschen Hoffnungen und belegen dies am Beispiel der A 20.

Gleich nach seiner Amtseinführung hat Ramsauer verkündet, bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur ein Aufholprogramm West starten zu wollen. Hinsichtlich der Straßen hat er vor allem Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen im Blick. Bei Neuinvestitionen will er den Schwerpunkt auf den Ausbau des klimafreundlicheren Schienenverkehrsnetzes legen. „Die Interpretation hiesiger Politiker, dass mit diesem Programm unter anderem der Neubau der geplanten A 22 vorangetrieben werden könnte, entbehrt jeder Grundlage und ist unsinnig“, äußert sich Uwe Schmidt, Sprecher der Initiativen, zu dem Vorstoß.

Auch sei die geplante A 22 keinesfalls „überlebenswichtig“ für die hiesige Wirtschaft, wie von Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, jüngst zu hören war. „Wir warnen eindringlich vor falschen Hoffnungen, die sich bei einer A 22 ebenso schnell zerschlagen könnten wie das bei der A 20 geschehen ist“, so Schmidt weiter. Dort zeige sich überdeutlich, dass Ausgaben für Autobahnen eine Fehlinvestition sind, wenn es das Ziel ist, Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten. Seit der Wiedervereinigung wurden über 15 Milliarden Euro in Autobahnbauprojekte in den ostdeutschen Bundesländern investiert. Im gleichen Zeitraum ist die Einwohnerzahl der neuen Länder – getrieben von massivem Beschäftigungsabbau – durch Abwanderung um netto etwa zwei Millionen zurückgegangen.

Viele Schrumpfungsräume in den neuen Bundesländern fallen zusammen mit dem Einzugsbereich neu gebauter Autobahnen. So auch ein etwa 50 km breiter Korridor mit stark schrumpfender Einwohnerzahl, in dessen Mitte die neu gebaute A20 verläuft. Entlang der 300 km langen Autobahn auf ostdeutschem Gebiet gibt es auf 200 km Länge, also auf zwei Dritteln der gesamten Neubaustrecke, starke Einwohnerverluste. „Dieser Befund steht im Einklang mit einer Vielzahl unabhängiger wissenschaftlicher Untersuchungen, die allesamt zu der Schlussfolgerung gelangt sind, dass seit Beginn der 1980er Jahre Autobahnbauten generell keinen positiven Wirtschaftseffekt mehr haben“ erläutert Schmidt. Im Gegenteil käme es zu einer Verschiebung von Wirtschaftskraft aus der Fläche in die Zentren und zu einer Entvölkerung der ländlichen Regionen.

Pressemitteilung des Koordinationskreises der Initiativen gegen die A 22
Uwe Schmidt, Pressesprecher

A 22 nicht überlebenswichtig!

Enak Ferlemann hält den Bau der A 22 für „überlebenswichtig“. Damit möchte der Staatssekretär Lobbyarbeit für die deutschen Nordseehäfen machen. Die A22 ist als Transitstrecke zwischen Nordosteuropa und den Beneluxländern geplant. Die Lkw werden auf der A 22 an den deutschen Häfen vorbeirauschen und die Waren in Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen umschlagen. Und das soll überlebenswichtig sein?

Überlebenswichtig ist, dass die Landwirtschaft ihre Flächen behält, und nicht eine A 22, die rund 700 ha landwirtschaftliche Fläche zubetoniert. Überlebenswichtig ist, dass wir die Treibhausgase reduzieren, um den Klimawandel zu begrenzen. Die A 22 wird Container von der klimafreundlichen Bahn und vom Küstenschiff auf den klimaschädlicheren Lkw verlagern. Überlebenswichtig sind für uns Bildung und sichere Arbeit. Die A 22 wird nur kurzfristig Beschäftigung schaffen, dafür aber die Entvölkerung der ländlichen Räume begünstigen und wichtige Finanzmittel binden. Überlebenswichtig ist, die Artenvielfalt zu erhalten, und nicht eine A 22, die wertvolle Naturgebiete zerstören wird.

Hat Herr Ferlemann nicht mit seinem Amtseid geschworen, seine Kraft unserem Wohle zu widmen und Schaden abzuwenden?

Helga Schühle
Loxstedt

EU-Umweltrat: Zielorientierte Infrastrukturplanung erforderlich

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) unterstützt die europaweite Initiative von Umwelt- und Nachhaltigkeitsräten (EEAC) „Für zukunftsfähige europäische Infrastrukturen“. Danach müssen Verkehrswege und Stromnetze einen Beitrag zu den langfristigen Klimaschutz- und Biodiversitätszielen der Europäischen Union (EU) leisten.

Nach Auffassung der europaweiten Initiative sind Infrastrukturentscheidungen Langfristentscheidungen. Seien sie einmal getroffen, sei der Entwicklungspfad für die nächsten Dekaden zementiert. Die Räte empfehlen daher die Abkehr der Infrastrukturplanung auf der Basis von Trendfortschreibungen. Vielmehr sei eine zielorientierte Planung notwendig, die die europäischen Klima- und Biodiversitätsziele zum Ausgangspunkt nimmt: Verkehr, Energieerzeugung sowie damit verbundene Siedlungsstrukturen werden sich bis Mitte des Jahrhunderts deutlich von den heutigen unterscheiden müssen. Die Infrastrukturplanung müsse dies vorwegnehmen. Mehr denn je würde es zukünftig auch auf eine Integration von Stromnetzen, Verkehrswegen und einem großräumigen europäischen Biotopverbund ankommen.

Vor dem Hintergrund einer zukunftsfähigen Klimaschutzpolitik kann eine A 22 nicht bestehen. Noch weniger aber passt eine A 22 in das Konzept der Integration der Infrastruktur in einen großräumigen europäischen Biotopverbund. Dazu werden zu viele national und international bedeutende Naturgebiete und für die Biodiversität bedeutsame verkehrsarme, unzerschnittene Räume zerschnitten.

Susanne Grube, Westerstede

Neues Nachrichtenportal „tageschance“

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob dieser neoliberale Optimismus immer angebracht ist - schließlich werden mit dieser Sicht auf die Dinge oft die Augen vor den eigentlichen Problemen verschlossen, von Wirtschaftsseite und Politik vollkommen unverantwortliche Projekte vorangetrieben und immer weiter Milliarden Schulden gemacht. Es könnte ja etwas Positives dabei herausspringen, so ähnlich klangen die Worte von Frau Merkel in den letzten Tagen.

Wenn aber ein Portal “guter Nachrichten” dazu dienen kann, die Menschen aus ihrer Lethargie zu holen und zum persönlichen Einsatz für ihre Umgebung und Umwelt zu motivieren, dann sollte man der Verbreitung dieses neuen Nachrichtenportals nicht nur eine “Tageschance” geben:

www.tageschance.de, die Nachrichtenagentur für ausschließlich gute Nachrichten! Eine neue Plattform für gute Nachrichten aller Art, aus der Nachbarschaft, aus den Städten, aus den Bundesländern, aus Übersee oder Europa, einfach von überall her. Die Macher der Plattform wollen den Blick auf die Welt verändern und mittels Vermittlung unserer guten Nachrichten, mithelfen, Mut, Einsatzfreude und Motivation für die Gemeinschaft zu fördern!

Das „tageschance“-Team besteht aus Menschen, die sich eine Plattform wünschen, in der ausschließlich gute Nachrichten verbreitet werden. Es ist Zeit für andersartige Nachrichten. tageschance will eine komplementäre Ergänzung sein zu den täglichen Schreckensmeldungen aus aller Welt, die uns Zuschauer lähmen. tageschance will Mut machen mit Nachrichten und Filmbeiträgen der anderen, der positiven Art! Gute Nachrichten machen Mut, und lassen alle die, die sich allein fühlen, wissen, dass es viele Menschen da draußen gibt, die gute Projekte umsetzen, soziale Verbesserungen verwirklichen oder auch notwendigen Hilfseinrichtungen spenden.

Susanne Grube
Westerstede

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